Musikalischer Abendgottesdienst zum 40. Jubiläum des Bekenntnisses von Belhar. Mit Kerstin Kalkreuter, Silke Grote, Sabine Hartmann, Organist Torsten Schmidt, Bärbel Kalkreuter, Cornelia Dörr, Chorleiter Johann Rieke, Gabriele Preukschat und Dieter Bökemeier.

Bekenntnis gegen Trennung und Ungerechtigkeit

Gottesdienst in Heiden erinnert an 40 Jahre Bekenntnis von Belhar

Kreis Lippe/Lage-Heiden. Einheit, Versöhnung und Gerechtigkeit standen im Mittelpunkt eines musikalischen Gottesdienstes in Heiden.

Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens des südafrikanischen Bekenntnisses von Belhar haben die Lippische Landeskirche und die Kirchengemeinde Heiden einen musikalischen Abendgottesdienst mit Organist Torsten Schmidt und dem Chor „Mixed Voices“ (Leitung: Johann Rieke), der unter anderem afrikanische Lieder vortrug, gefeiert.

Das Bekenntnis entstand 1986 im südafrikanischen Stadtteil Belhar in Kapstadt als Reaktion auf die Apartheid. Die „farbige“ und „schwarze“ reformierte Kirche verurteilten darin die rassistische Trennung der Gesellschaft und zugleich die Spaltung der Kirchen. Die Apartheid wurde als Sünde bezeichnet. Im Zentrum des Bekenntnisses steht die Überzeugung, dass Gott in besonderer Weise auf der Seite der Notleidenden, Armen und Entrechteten steht und seine Kirche dazu aufruft, ihm zu folgen.

Dieter Bökemeier, Pfarrer für Diakonie, Ökumene und Migration, ordnete das Bekenntnis mit einer Filmsequenz historisch ein. Die Apartheid, die ab 1948 das öffentliche Leben Südafrikas bestimmte, sicherte der weißen Minderheit politische und wirtschaftliche Privilegien. Teile der niederländisch-reformierten Kirche versuchten sogar, die Rassentrennung theologisch zu rechtfertigen. Das Bekenntnis von Belhar stellte sich dieser Haltung entgegen und knüpfte an die 1934 verfasste Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche an.

Seit 1998 besteht eine Partnerschaft der Lippischen Landeskirche mit der Uniting Reformed Church in Southern Africa (URCSA), einem Zusammenschluss zweier der früheren reformierten Kirchen Südafrikas. Der URCSA gehören ca. 1,2 Millionen Mitglieder in Südafrika und Namibia an. Die Kirchengemeinde Heiden pflegt seit 1999 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Orlando in Soweto bei Johannesburg. Einige Gäste aus Südafrika wurden beim Gottesdienst begrüßt. Die Kirchengemeinde Hillentrup-Spork ist seit 2005 mit der Gemeinde Alexandra in Johannesburg verbunden.

Für Sabine Hartmann, Referentin für ökumenisches Lernen und Brot-für-die-Welt Beauftragte bei der Lippischen Landeskirche, sind kirchliche Bekenntnisse „Wegweiser“, die angesichts einer verändernden Welt immer wieder an Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Verantwortung erinnern. „Sie stärken weltweite ökumenische Beziehungen und wirken in die Gesellschaft hinein.“ Gaby Preukschat, Kerstin Kalkreuter und Diana Schuhmacher setzten sich mit den drei Leitbegriffen Einheit, Versöhnung und Gerechtigkeit des Bekenntnisses von Belhar auseinander. Beim anschließenden Wandelgang konnten die Besucher eigene Gedanken zu den Begriffen formulieren. Einheit wurde als Gemeinschaft verstanden, in der Verschiedenheit nicht zur Ausgrenzung führt. Versöhnung bedeute, Unterschiede anzuerkennen und Vielfalt als Bereicherung anzunehmen. Gerechtigkeit wurde unter anderem mit Gleichberechtigung der Geschlechter und der Frage nach einem lebenswerten Leben für alle Menschen weltweit verbunden.

Damit schlug der Gottesdienst die Brücke von der Geschichte zur Gegenwart – nicht nur in Südafrika, sondern auch in Deutschland. Die Themen des Bekenntnisses von Belhar würden angesichts von Wahlerfolgen extrem rechter Parteien, die Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit fördern, immer aktueller.

Auch die aktuell in Lesotho tagende Synode der URCSA beschäftigt sich mit dem Bekenntnis von Belhar. Pfarrerin Stefanie Rieke-Kochsiek nimmt als Südafrika-Beauftragte der Lippischen Landeskirche an der Synode teil.

01.10.2026